Agentur wechseln: Checkliste für die Übergabe
Die Warnsignale, die einen Wechsel rechtfertigen, die vollständige Übergabeliste für Zugänge, Daten und Rechte, und der Fehler, der beim Wechsel am meisten kostet.
Die kurze Antwort vorweg
Wir sind eine Agentur und profitieren davon, wenn Unternehmen wechseln. Deshalb vorweg das Unangenehme: Die meisten Wechsel, die uns erreichen, kommen zu früh oder aus dem falschen Grund. Ein schwaches Quartal ist kein Wechselgrund, und ein Wechsel setzt gerade im SEO Fortschritt teilweise zurück.
Es gibt aber Gründe, die einen Wechsel eindeutig rechtfertigen, und einer davon wiegt schwerer als alle anderen: wenn Sie keinen vollständigen Zugriff auf Ihre eigenen Konten und Daten haben. Das ist kein Qualitätsproblem, sondern ein strukturelles, und es wird nicht besser, sondern teurer, je länger man wartet.
Der zweite belastbare Grund ist ausbleibende Wirkung ohne Erklärung. Nicht ausbleibende Ergebnisse, die kommen vor, sondern das Fehlen einer nachvollziehbaren Begründung und eines Plans, was sich deshalb ändert.
Dieser Artikel enthält die Warnsignale, die vollständige Übergabeliste und die Reihenfolge, in der ein Wechsel abläuft, ohne dass Sichtbarkeit verloren geht.
Die Warnsignale, und die schlechten Gründe
Berichte zeigen Aktivität statt Wirkung. Wenn im Monatsbericht steht, wie viele Texte geschrieben und wie viele Änderungen umgesetzt wurden, aber nicht, was das gebracht hat, fehlt der Bezug zum Geschäft. Ein brauchbarer Bericht beantwortet drei Fragen: Was war das Ziel, was ist passiert, was ändern wir daraus.
Es gibt keine Strategie, nur Aufgaben. Wenn Sie vorgeben müssen, was zu tun ist, zahlen Sie für Umsetzung und bekommen keine Führung. Das kann in Ordnung sein. Dann sollte es auch der Vertrag so abbilden und entsprechend kosten.
Zugänge werden nicht herausgegeben oder liegen bei der Agentur. Das ist das deutlichste Signal. Konten, die auf die Agentur laufen, sind kein Versehen, sondern ein Geschäftsmodell.
Es wird nie etwas abgeschaltet. Wer nur Neues aufbaut und nie eine Maßnahme beendet, testet nicht, sondern beschäftigt sich.
Und die schlechten Gründe: ein einzelnes schwaches Quartal; ein Wettbewerber, der plötzlich vorbeigezogen ist; ein neues Angebot mit einem auffällig niedrigen Preis. Wer wegen des Preises wechselt, wechselt in der Regel innerhalb eines Jahres erneut.
Bevor Sie kündigen, führen Sie ein Gespräch, in dem Sie genau diese Punkte ansprechen. Eine gute Agentur reagiert darauf mit Zahlen und einem Plan. Kommt stattdessen eine Erklärung, warum die Zahlen nicht aussagekräftig sind, haben Sie Ihre Antwort.
Die Übergabeliste
Fordern Sie alles Folgende schriftlich und vor der Kündigung an, nicht danach. Nach der Kündigung sinkt die Bereitschaft zur Mitarbeit erfahrungsgemäß deutlich, und Sie haben kein Druckmittel mehr.
Entscheidend ist dabei nicht der Zugriff, sondern die Rolle: Sie brauchen Inhaber- beziehungsweise Administratorrechte auf Ihre eigenen Konten. Ein Zugang, den jemand anderes wieder entziehen kann, ist kein Eigentum.
| Bereich | Was Sie brauchen | Typischer Stolperstein |
|---|---|---|
| Analytics & Search Console | Inhaberrechte, plus Export der historischen Daten | Property läuft auf ein Agenturkonto; Historie geht verloren |
| Google Ads | Konto auf Ihr Unternehmen, Zugriff der Agentur entziehen | Es wurde in einem Agenturkonto gearbeitet |
| Google Business Profile | Inhaberschaft des Eintrags | Agentur ist Inhaber, Sie nur Verwalter |
| Website / CMS / Shop | Administratorzugang und ein vollständiges Backup | Nur Redakteursrechte, kein Zugriff auf Erweiterungen |
| Hosting & Domain | Vertrag und Verwaltung auf Ihren Namen | Domain ist auf die Agentur registriert |
| Quellcode & Design | Repository, Design-Dateien, Nutzungsrechte | Rechte an Individualentwicklung liegen bei der Agentur |
| Inhalte & Konzepte | Keyword-Listen, Briefings, Redaktionsplan | Existiert nur in Köpfen oder Agentur-Tools |
| Tracking & Tools | Tag Manager, Newsletter, CRM-Anbindungen | Vergessen, fällt erst Wochen später auf |
Der Vertrag: prüfen, bevor Sie kündigen
Drei Punkte entscheiden darüber, wie teuer ein Wechsel wird, und alle drei stehen im bestehenden Vertrag.
Kündigungsfristen und Laufzeit. Klären Sie, zu welchem Termin Sie überhaupt beenden können. Ein Wechsel, der eine Doppelzahlung über mehrere Monate erzeugt, ist selten eilig genug, um sich zu lohnen.
Herausgabe von Daten und Code. Ist geregelt, dass Ihnen Zugänge, Daten und Quellcode bei Vertragsende übergeben werden? Fehlt eine solche Klausel, ist die Herausgabe Verhandlungssache, und Sie verhandeln aus der schwächeren Position, sobald gekündigt ist.
Nutzungsrechte. Gerade bei individuell entwickelten Lösungen liegen die Rechte häufiger bei der Agentur, als Auftraggeber annehmen. Klären Sie, was Sie weiterverwenden dürfen, Design, Code, Texte, Bildmaterial.
Diese Prüfung gehört vor die Kündigung. Wer zuerst kündigt und dann fragt, verhandelt über etwas, das er schon nicht mehr braucht, oder zahlt dafür.
Der Ablauf, der keine Sichtbarkeit kostet
Rankings hängen an Ihrer Website, nicht an Ihrem Dienstleister. Ein Wechsel allein kostet deshalb keine Sichtbarkeit: was sie kostet, sind vermeidbare Fehler im Ablauf.
Erstens: Vertrag prüfen, Übergabeliste anfordern, Rechte übertragen. Erst wenn Sie auf allen Konten Inhaber sind, kündigen Sie.
Zweitens: Bestandsaufnahme, bevor sich etwas ändert. Aktuelle Rankings, Traffic, Conversions und eine vollständige URL-Liste dokumentieren. Ohne diesen Ausgangspunkt lässt sich später nicht beurteilen, ob der Wechsel etwas gebracht hat, und genau das wird Sie in sechs Monaten interessieren.
Drittens: den Relaunch vom Wechsel trennen. Der teuerste Fehler überhaupt ist, gleichzeitig mit dem Agenturwechsel die Website neu zu bauen. Wenn dann Sichtbarkeit verloren geht, weiß niemand, woran es lag. Wechseln Sie zuerst, stabilisieren Sie, und bauen Sie danach um. Wenn ein Relaunch trotzdem ansteht, hilft die Relaunch-Checkliste.
Viertens: den laufenden Betrieb nicht anhalten. Ein Stillstand von drei Monaten kostet mehr als eine mittelmäßige Betreuung. Sorgen Sie für eine Überschneidung oder zumindest dafür, dass Kampagnen und Inhalte weiterlaufen.
Und für die Auswahl der neuen Agentur gilt dieselbe Frage, an der die alte gescheitert sein könnte: Läuft alles auf Ihr Unternehmen? Bei uns ist das keine Verhandlungssache: Zugänge und Daten bleiben in Ihrer Hand, auch dann, wenn Sie irgendwann weiterziehen. Wenn Sie abwägen, ob überhaupt eine Agentur der richtige Weg ist, hilft Agentur oder eigenes Marketing-Team?.
Kurz beantwortet.
Wenn über einen längeren Zeitraum Ergebnisse ausbleiben und niemand erklären kann, woran das liegt; wenn Berichte Aktivitäten statt Wirkung zeigen; wenn strategische Führung fehlt und Sie selbst die Aufgaben vorgeben müssen; oder wenn Zugänge und Daten nicht herausgegeben werden. Ein einzelnes schlechtes Quartal ist dagegen kein Grund: gerade SEO braucht Zeit, und ein Wechsel setzt die Uhr teilweise zurück.
Verlangen Sie schriftlich und vollständig: Google Analytics, Google Search Console, Google Ads, Google Business Profile, Meta Business Manager, CMS- beziehungsweise Shop-Administration, Hosting und Server, Domain-Verwaltung, E-Mail-Dienste sowie alle sonstigen Tool-Konten. Zusätzlich: Quellcode, Design-Dateien, Content-Briefings, Keyword-Listen und die historischen Auswertungen. Wichtig ist die Rolle: Sie brauchen Inhaberrechte, nicht nur Zugriff.
Das steht im Vertrag, und die Antwort fällt häufiger zugunsten der Agentur aus, als Auftraggeber erwarten: insbesondere bei individuell entwickelten Lösungen. Prüfen Sie vor der Kündigung, welche Nutzungsrechte Ihnen eingeräumt wurden und ob die Herausgabe von Daten und Code geregelt ist. Fehlt eine solche Regelung, verhandeln Sie sie, bevor Sie kündigen, danach ist Ihre Position schwächer.
Nicht durch den Wechsel selbst. Rankings hängen an der Website, nicht am Dienstleister. Verluste entstehen durch das, was beim Wechsel passiert: ein gleichzeitiger Relaunch ohne saubere Weiterleitungen, das Abschalten von Konten mit historischen Daten oder ein Stillstand von mehreren Monaten. Wer die Übergabe ordentlich macht und den Relaunch vom Wechsel trennt, behält seine Sichtbarkeit.
Wenn das Konto auf Ihr Unternehmen läuft und die Agentur nur Zugriff hatte, ändert sich nichts außer den Berechtigungen. Die gesamte Historie bleibt erhalten. Wurde dagegen in einem Agenturkonto gearbeitet, verlieren Sie beim Wechsel die Konto-Historie und damit die Datengrundlage der Gebotsstrategien. Das ist einer der Gründe, warum Konten von Anfang an auf den Auftraggeber laufen sollten.
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