Baukasten oder Agentur? Ehrlich gerechnet
Wix, Jimdo und Co. gegen eine individuell gebaute Website, mit dem Kostenvergleich über fünf Jahre, den Grenzen beider Wege und einer klaren Empfehlung je Ausgangslage.
Die kurze Antwort vorweg
Wir sind eine Agentur und bauen individuelle Websites. Das ist unsere Seite des Vergleichs, und Sie sollten das beim Lesen wissen. Trotzdem: Für einen Teil der Projekte, die uns anfragen, wäre ein Baukasten die vernünftigere Wahl. Diesen Artikel schreiben wir, damit Sie erkennen, zu welcher Gruppe Sie gehören.
Ein Baukasten ist die richtige Entscheidung, wenn die Website im Kern eine digitale Visitenkarte ist: Sie sind allein oder zu zweit, Sie brauchen Präsenz und Erreichbarkeit, organische Sichtbarkeit ist kein Vertriebskanal, und es hängt keine Prozesskette daran. In dieser Lage 7.500 € für eine Agentur auszugeben, ist schlicht falsch investiert.
Eine individuell gebaute Website lohnt sich, sobald die Seite selbst verkaufen soll: wenn Suchmaschinen ein relevanter Kanal sind, wenn andere Systeme angebunden werden müssen, wenn die Marke nicht nach Vorlage aussehen darf, oder wenn Sie in fünf Jahren noch mit derselben Substanz arbeiten wollen.
Der Rest dieses Artikels beantwortet die Frage, die in Vergleichen meistens fehlt: nicht was beides monatlich kostet, sondern was beides über die gesamte Nutzungsdauer kostet, und was Sie im ungünstigen Fall zurücklassen.
Was ein Baukasten wirklich kostet, über fünf Jahre
Baukästen werben mit dem Monatspreis, Agenturen mit dem Projektpreis. Beide Zahlen sind für die Entscheidung fast nutzlos, weil sie unterschiedliche Zeiträume beschreiben. Vergleichbar wird es erst, wenn Sie beide Wege über dieselbe Nutzungsdauer rechnen: fünf Jahre sind ein realistischer Lebenszyklus für eine Unternehmenswebsite.
Auf der Baukastenseite gehören in diese Rechnung: das Tarifabo über 60 Monate, kostenpflichtige Zusatzfunktionen aus dem jeweiligen App-Store, gegebenenfalls ein Premium-Template, Transaktionsgebühren bei Shop-Funktionen, und die Zeit, die jemand im Unternehmen mit dem Editor verbringt. Der letzte Posten taucht in keinem Angebot auf und ist bei vielen Unternehmen der größte.
Auf der Agenturseite stehen der einmalige Projektpreis, danach Hosting und Wartung. Was hier nicht anfällt: laufende Lizenzgebühren pro Monat und Umsatzbeteiligungen.
Und dann gibt es den Posten, den beide Seiten gern weglassen: die Kosten des Wechsels, wenn Sie das System überholen. Beim Baukasten ist dieser Wechsel ein Neubau (siehe nächster Abschnitt): er gehört deshalb ehrlicherweise in jede Fünfjahresrechnung, wenn absehbar ist, dass Sie herauswachsen.
Konkrete Tarifpreise nennen wir hier bewusst nicht: Die Anbieter haben ihre Pläne zuletzt mehrfach umgestellt, und eine Zahl in einem Ratgeber ist schneller veraltet, als sie nützlich ist. Prüfen Sie die aktuellen Tarife direkt beim Anbieter, und achten Sie darauf, welche Funktionen erst im nächsthöheren Plan enthalten sind.
| Kriterium | Baukasten | Individuelle Website |
|---|---|---|
| Kostenmodell | Monatliches Abo, zzgl. kostenpflichtiger Apps und ggf. Transaktionsgebühren | Einmaliger Projektpreis, danach Hosting und Wartung |
| Einstieg | Sofort buchbar, in Tagen online | Ab 7.500 €, mehrere Wochen bis zum Livegang |
| Eigentum | Inhalte ja, Umsetzung nein, Design und Funktionen bleiben im System | Code, Inhalte und Zugänge gehören Ihnen |
| Designfreiheit | Innerhalb des Template-Rasters; Abweichungen schnell teuer oder unmöglich | Frei, an Marke und Vertriebsprozess gebaut |
| SEO | Grundlagen abgedeckt; Ladezeit, Markup und Weiterleitungen nur begrenzt steuerbar | Voller Zugriff auf Technik, Struktur und Messwerte |
| Anbindungen | Was der App-Store hergibt | CRM, ERP, Warenwirtschaft, Automatisierung, frei anbindbar |
| Pflegeaufwand | Sie selbst, dauerhaft | Wartung liegt beim Dienstleister, Inhalte pflegen Sie |
| Sinnvoll ab | Visitenkarte, Einzelunternehmen, Validierung einer Idee | Website als Vertriebskanal |
Der Punkt, den die Anbieter nicht betonen
Ein Baukasten ist kein Werkzeug, mit dem Sie eine Website bauen. Er ist ein Ort, an dem Ihre Website wohnt. Der Unterschied fällt erst auf, wenn Sie ausziehen wollen.
Ihre Texte und Bilder bekommen Sie mit. Alles andere, Layout, Design, Navigation, die Funktionen, die Sie zusammengeklickt haben, existiert nur innerhalb des Systems und lässt sich nicht in einer Form exportieren, mit der ein anderes System etwas anfangen könnte. Nach fünf Jahren bedeutet das: Sie ziehen mit Inhalten um und lassen die Umsetzung zurück.
Wer regelmäßig publiziert, hat bis dahin außerdem Rankings, interne Verlinkung und eine gewachsene Seitenstruktur aufgebaut. Das ist der eigentliche Wert, und der hängt an URLs. Ein Wechsel ohne saubere Weiterleitungen kostet genau diesen Wert.
Deshalb ist unsere Position an dieser Stelle unverändert, egal für welchen Weg Sie sich entscheiden: Zugänge und Daten sollten in Ihrer Hand bleiben. Eigene Domain, eigener Analytics-Zugang, Inhalte in einem Format, das Sie exportieren können. Auch innerhalb eines Baukastens lässt sich das teilweise absichern. Man muss es nur von Anfang an bewusst tun.
Selbst erstellen oder machen lassen, wo der Baukasten gewinnt
Es gibt Fälle, in denen wir von einem Agenturprojekt abraten. Die drei häufigsten:
Die Website ist eine Visitenkarte. Zwei bis fünf Seiten, Kontaktmöglichkeit, ein paar Referenzen. Wer über Empfehlung und Bestandskunden arbeitet und keine organische Nachfrage aufbauen will, braucht keine individuelle Entwicklung. Ein Baukasten erledigt das in wenigen Tagen zu einem Bruchteil.
Sie validieren eine Idee. Wenn noch nicht feststeht, ob das Angebot trägt, ist Geschwindigkeit mehr wert als Substanz. Bauen Sie schnell, messen Sie, und investieren Sie erst dann in eine tragfähige Lösung, wenn die Nachfrage bewiesen ist. Wer diese Reihenfolge umdreht, zahlt für Annahmen.
Das Budget ist ehrlich klein. Eine individuelle Website halb zu finanzieren, führt zu einer halben Website. Dann lieber ein sauber gemachter Baukasten mit guten Texten und ordentlichen Bildern. Das wirkt professioneller als ein abgebrochenes Agenturprojekt.
Ein guter Baukasten mit klarer Struktur schlägt eine schlecht gemachte individuelle Website übrigens jederzeit. Der Systemwechsel allein macht keine Seite besser.
Woran Sie merken, dass Sie den Baukasten überholt haben
Der Wechsel ist selten eine Entscheidung, sondern meistens eine Ansammlung von Reibungen. Diese fünf Signale sehen wir in Erstgesprächen am häufigsten:
Eine benötigte Funktion lässt sich nicht bauen, nur umgehen. Sobald Prozesse an Workarounds hängen, zahlt jemand jeden Monat Zeit dafür.
Die App-Abos haben die Wartung einer eigenen Seite überholt. Wenn zum Grundtarif fünf Zusatzdienste kommen, kippt der Kostenvorteil unbemerkt.
Die Rankings stagnieren, und die Ursachen liegen in der Technik. Wenn Ladezeit oder Markup das Problem sind und Sie an die Stellschrauben nicht herankommen, hilft mehr Inhalt nicht weiter.
Die Seite passt nicht mehr zur Marke. Wenn das Template sich nicht so weit biegen lässt, wie die Positionierung es verlangt, sieht das Unternehmen kleiner aus, als es ist.
Jemand verbringt Stunden im Monat mit dem Editor. Das ist ein Gehaltsposten, der in keiner Baukastenrechnung steht.
Trifft eines davon zu, lohnt sich die Rechnung neu. Trifft nichts davon zu, bleiben Sie, wo Sie sind, und geben Sie das Budget für bessere Inhalte aus.
Und wenn Sie schon auf einem Baukasten sitzen?
Dann ist der Wechsel gut planbar, solange Sie ihn als Projekt behandeln und nicht als Export. Was mitkommt: Domain, Texte, Bilder, die inhaltliche Struktur und alle Rankings, sofern die Weiterleitungen stimmen. Was nicht mitkommt: Design und systemspezifische Funktionen.
Der kritische Teil sind die Weiterleitungen. Jede alte URL muss auf ihr inhaltliches Gegenstück zeigen, nicht pauschal auf die Startseite. Wird das sauber gemacht, übersteht die Sichtbarkeit einen Relaunch in aller Regel; wird es übersprungen, ist der Verlust real und dauert Monate.
Wie ein solcher Umstieg abläuft, welche Reihenfolge sich bewährt hat und woran Relaunches scheitern, steht in unserer Relaunch-Checkliste. Was eine individuelle Website je nach Umfang kostet, haben wir in Was kostet eine Website? aufgeschlüsselt; die Einstiegspreise aller Leistungen finden Sie auf der Preisseite.
Und wenn Sie unsicher sind, in welche der beiden Gruppen Ihr Projekt gehört: Das ist genau die Frage, die ein Erstgespräch in zwanzig Minuten klärt, auch dann, wenn die ehrliche Antwort lautet, dass Sie bei Ihrem Baukasten bleiben sollten.
Kurz beantwortet.
Ja, aber es ist ein Neubau und kein Umzug. Texte, Bilder, Domain und die Seitenstruktur nehmen Sie mit; Design und alle baukastenspezifischen Funktionen bleiben zurück, weil sie nur innerhalb des Systems existieren. Planen Sie den Wechsel deshalb wie ein Projekt, nicht wie einen Export, inklusive Weiterleitungen von jeder alten auf die passende neue URL, damit vorhandene Rankings erhalten bleiben.
Dieselbe Frage, andere Formulierung, und die Antwort hängt an denselben Kriterien: Soll die Website verkaufen oder nur vorhanden sein, brauchen Sie organische Sichtbarkeit, hängen Prozesse daran? Selbst erstellen ist richtig bei einer Visitenkarten-Website, bei der Validierung einer Idee und bei ehrlich kleinem Budget. Machen lassen lohnt sich, sobald die Seite ein Vertriebskanal ist, Systeme angebunden werden oder die Marke nicht nach Vorlage aussehen darf.
Nicht grundsätzlich. Inhalte, Struktur und Relevanz entscheiden zuerst, und die können Sie in jedem System gut oder schlecht machen. Der Unterschied zeigt sich weiter unten: bei Ladezeit, sauberem Markup, Kontrolle über URLs und Weiterleitungen sowie strukturierten Daten. Für eine Visitenkarten-Website fällt das kaum ins Gewicht. Wenn organische Sichtbarkeit ein echter Vertriebskanal sein soll, stoßen Sie irgendwann an Grenzen, die Sie im Baukasten nicht selbst beheben können.
Bei uns starten Websites ab 7.500 €. Was den Preis bewegt, sind Seitenanzahl, Individualität des Designs, Umfang der Inhalte, Anbindungen an andere Systeme und Mehrsprachigkeit. Dazu kommen laufend Hosting und Wartung. Eine detaillierte Aufschlüsselung je Leistung finden Sie auf unserer Preisseite.
Für eine typische Unternehmenswebsite rechnen Sie mit mehreren Wochen von Kickoff bis Livegang. Der größte Zeitfaktor ist selten die Entwicklung, sondern die Inhalte: Texte, Bilder und Freigaben auf Ihrer Seite. Ein Baukasten ist in Tagen online. Das ist ein realer Vorteil, wenn Geschwindigkeit vor allem anderen steht.
Ihre Inhalte gehören Ihnen, die Umsetzung nicht. Design, Layout und Funktionen bestehen nur innerhalb des Anbieters und lassen sich nicht in einer nutzbaren Form mitnehmen. Solange Sie bleiben, ist das kein Problem. Es wird eines an dem Tag, an dem Sie wechseln wollen oder müssen.
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