Shopify oder Shopware? Der DACH-Vergleich
Betrieb, Kostenmodell, B2B-Tiefe, Datenschutz, Erweiterbarkeit und Wechselaufwand, mit einer klaren Empfehlung je Ausgangslage statt eines Pauschalsiegers.
- 01Die kurze Antwort vorweg
- 02Hosting und Betrieb: wer trägt die Verantwortung?
- 03Wie unterscheiden sich die Kostenmodelle?
- 04Wie B2B-fähig sind die beiden Systeme?
- 05Was bedeuten DSGVO und US-Hosting in der Praxis?
- 06Erweiterbarkeit: Apps oder eigener Code?
- 07Was kostet ein Wechsel zwischen den Systemen?
- 08Unsere Empfehlung je Fall
Die kurze Antwort vorweg
Shopify und Shopware sind beides ausgereifte Shop-Systeme, die sich vor allem in einem unterscheiden: Shopify ist ein gehostetes Abo-Produkt aus Kanada, bei dem der Anbieter Betrieb, Sicherheit und Updates übernimmt; Shopware ist ein deutsches, in weiten Teilen quelloffenes System, das Sie selbst hosten oder als Cloud-Variante beziehen können und das entsprechend tiefer anpassbar ist. Beide verkaufen zuverlässig. Die Frage ist nicht, welches besser ist, sondern welches zu Ihrem Geschäftsmodell passt.
Wir beraten systemoffen und bauen auf beiden. Deshalb hier kein Pauschalsieger. Was wir stattdessen liefern: sechs Kriterien, an denen sich die Entscheidung in der Praxis tatsächlich entscheidet, und am Ende eine Empfehlung je Ausgangslage.
Vorab eine Einordnung zum DACH-Markt: Shopware hat hier deutlich mehr Gewicht als in internationalen Vergleichen, weil Rechtsrahmen, Steuerlogik und B2B-Gepflogenheiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz eigene Anforderungen stellen. Wer internationale Vergleichsartikel liest, bekommt deshalb ein verzerrtes Bild.
| Kriterium | Shopify | Shopware |
|---|---|---|
| Hosting & Betrieb | Anbieter betreibt alles: Server, Skalierung, Sicherheitsupdates | Self-hosted oder Cloud; bei self-hosted tragen Sie den Betrieb |
| Kostenmodell | Monatliche Lizenz, App-Abos, ggf. Transaktionsgebühren | Hosting, Wartung, Entwicklung, keine Umsatzbeteiligung bei self-hosted |
| B2B-Funktionen | Über höhere Pläne und Apps abbildbar; komplexe Logik wird nachgebaut | Kundengruppen, Staffelpreise, Freigaben und Firmenkonten von Haus aus |
| DSGVO & Datenstandort | US-nahes Unternehmen, Verarbeitung potenziell außerhalb der EU | Serverstandort bei self-hosted frei wählbar |
| Erweiterbarkeit | Großes App-Ökosystem, schnell installiert; Checkout nur begrenzt offen | Überwiegend quelloffen: eigene Plugins, eigener Checkout, eigene Preislogik |
| Migrationsaufwand | Import-Werkzeuge vorhanden; Daten- und URL-Mapping bleibt Handarbeit | Volle Datenhoheit; Individuallogik erhöht den Portierungsaufwand |
| Wartung | Updates kommen automatisch, Zeitpunkt nicht steuerbar | Update-Zeitpunkt steuerbar, Pflege der Individualentwicklung nötig |
| Passt typischerweise zu | D2C, schneller Launch, kein Technikteam, Standardprozesse | B2B, komplexe Preislogik, ERP-Anbindung, hohe Datenhoheit |
Hosting und Betrieb: wer trägt die Verantwortung?
Bei Shopify liegt der Betrieb vollständig beim Anbieter. Server, Skalierung an Aktionstagen, Sicherheitsupdates, Zertifikate, Ausfallsicherheit: nicht Ihr Thema. Für Händler ohne eigenes Technikteam ist das der stärkste Vorteil des Systems, und er ist real. Nachts um drei fällt kein Server aus, den Sie neu starten müssten.
Bei Shopware in der selbst gehosteten Variante tragen Sie die Verantwortung, direkt oder über einen Dienstleister. Das bedeutet Aufwand, gibt Ihnen aber Kontrolle: Serverstandort, Ressourcen, Update-Zeitpunkte, Backup-Strategie. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein erzwungenes Plattform-Update eine Individuallösung gebrochen hat, weiß, warum das ein Argument ist. Für Händler, die diese Kontrolle nicht brauchen, ist es dagegen nur Arbeit.
Die praktische Konsequenz: Rechnen Sie bei Shopware einen festen Betriebsposten ein: entweder Personal oder Betreuungsvertrag. Bei Shopify ist dieser Posten in der Lizenz enthalten. Das ist kein Kostenvorteil, sondern eine Verschiebung: Sie zahlen dieselbe Leistung, nur anders verbucht.
Wie unterscheiden sich die Kostenmodelle?
Shopify kostet planbar und wächst mit Ihnen: monatliche Lizenz je Plan, Apps als einzelne Abos, dazu Transaktionsgebühren, wenn Sie nicht die hauseigene Zahlungsabwicklung nutzen. Der Einstieg ist günstig, die Kosten steigen aber mit Umsatz und App-Stack. Bei zehn aktiven Apps ist die Lizenz irgendwann der kleinere Teil der Rechnung.
Shopware kostet vorne mehr und hinten oft weniger. In der selbst gehosteten Variante beteiligt sich niemand an Ihrem Umsatz; dafür zahlen Sie Hosting, Wartung und Weiterentwicklung selbst. Die Betriebskosten skalieren mit der Komplexität Ihres Setups, nicht mit Ihren Bestellungen. Der entscheidende Unterschied für Händler, die wachsen wollen.
Daraus ergibt sich eine brauchbare Faustregel: Bei kleinem bis mittlerem Volumen ist Shopify meist günstiger, weil Sie sich Betriebsstruktur sparen. Ab einem gewissen Umsatz kippt die Rechnung, weil umsatzabhängige Anteile die Ersparnis auffressen. Wo genau dieser Punkt liegt, hängt von Marge, Bestellwert und App-Landschaft ab. Das lässt sich für Ihr Geschäft ausrechnen, und genau das tun wir vor der Systemempfehlung. Die vollständige Kostenaufstellung finden Sie im Ratgeber Was kostet ein Onlineshop?.
Wie B2B-fähig sind die beiden Systeme?
Hier liegt der deutlichste inhaltliche Unterschied. Shopware bringt B2B-Anforderungen tief mit: Kundengruppen mit eigenen Preisen, Staffelpreise, Netto- und Bruttodarstellung je Kundentyp, Angebotsprozesse, Bestellfreigaben, Firmenkonten mit mehreren Bestellern. Das ist keine Erweiterung am Rand, sondern Teil der Systemlogik, und der Grund, warum viele deutsche Hersteller und Großhändler dort landen.
Shopify kann B2B ebenfalls, aber anders: über die B2B-Funktionen der höheren Pläne und über Apps. Für Händler mit überschaubaren B2B-Anforderungen, ein paar Firmenkunden mit Rabattstaffel, funktioniert das gut. Sobald Preislogik, Freigabeprozesse und ERP-Abgleich komplex werden, bauen Sie in Shopify nach, was Shopware mitbringt. Nachbauen ist immer teurer als konfigurieren.
Umgekehrt gilt: Wer klassisch D2C verkauft, ein Preis für alle, schneller Checkout, Fokus auf Marketing und Wiederkauf, bezahlt bei Shopware Funktionsvielfalt, die er nie braucht. B2B-Tiefe ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Anforderung. Haben Sie sie nicht, ist sie Ballast.
Was bedeuten DSGVO und US-Hosting in der Praxis?
Shopify ist ein US-nahes Unternehmen mit weltweiter Infrastruktur: Daten Ihrer Kunden werden also potenziell außerhalb der EU verarbeitet. Das ist kein Ausschlusskriterium: Der Transfer ist über die etablierten Mechanismen abbildbar, es gibt einen Auftragsverarbeitungsvertrag, und tausende deutsche Händler betreiben Shopify rechtskonform. Aber es ist eine Entscheidung, die Sie bewusst treffen und dokumentieren sollten: im Verarbeitungsverzeichnis, in der Datenschutzerklärung, in der Abwägung.
Bei selbst gehostetem Shopware entfällt diese Frage weitgehend, weil Sie den Serverstandort bestimmen. Für öffentliche Auftraggeber, regulierte Branchen und Unternehmen mit strenger interner Datenschutz-Governance ist das häufig das ausschlaggebende Argument, nicht weil Shopify unzulässig wäre, sondern weil die interne Freigabe kürzer ausfällt.
Beim Rechtsrahmen im engeren Sinn ist der Abstand kleiner geworden. Rechtstexte, Widerrufsbelehrung, Preisangabenverordnung, Grundpreise, Versandkostenangaben und länderspezifische Steuerlogik für Deutschland, Österreich und die Schweiz lassen sich in beiden Systemen sauber abbilden, bei Shopify in der Regel über spezialisierte Erweiterungen, bei Shopware häufiger von Haus aus. Wichtig ist in beiden Fällen: Prüfen Sie das vor dem Launch mit jemandem, der es beurteilen kann. Ein abmahnfähiger Shop ist teurer als jede Lizenz.
Erweiterbarkeit: Apps oder eigener Code?
Shopifys Stärke ist das App-Ökosystem. Für fast jede Anforderung existiert eine fertige Lösung, meist in Minuten installiert. Der Preis dafür ist doppelt: laufende Abos und begrenzte Tiefe. Sie arbeiten innerhalb dessen, was die Plattform vorsieht: insbesondere im Checkout, den Shopify bewusst nur eingeschränkt öffnet. Für die meisten Händler ist das kein Problem, für einige das K.-o.-Kriterium.
Shopware ist als überwiegend quelloffenes System tiefer anpassbar. Eigene Plugins, eigener Checkout-Ablauf, eigene Preislogik, direkte Datenbankzugriffe für Integrationen: möglich. Das bedeutet mehr Freiheit und mehr Verantwortung. Jede Individualentwicklung muss bei künftigen Updates mitgepflegt werden. Freiheit ohne Wartungsbudget ist eine Falle.
Für beide Systeme gilt derselbe Grundsatz: Je näher Sie am Standard bleiben, desto billiger und stabiler läuft Ihr Shop. Die ehrliche Frage vor der Systemwahl lautet deshalb nicht „Was ist alles möglich?“, sondern „Welche drei Dinge muss mein Shop können, die kein Standard abbildet?“. Diese drei Dinge entscheiden.
Was kostet ein Wechsel zwischen den Systemen?
Ein Systemwechsel ist nie ein Knopfdruck. Zu migrieren sind Produktdaten mit Varianten und Attributen, Kundenkonten, Bestellhistorie, Inhalte, und vor allem die URLs. Produktdaten lassen sich mit Aufwand mappen; unsauber gepflegte Kataloge machen genau diesen Schritt teuer. Kundenpasswörter lassen sich systemübergreifend meist nicht übernehmen, weshalb ein Passwort-Reset zum Launch dazugehört und kommuniziert werden muss.
Der kritische Teil ist SEO. Ohne vollständiges Weiterleitungskonzept verlieren Sie beim Wechsel Rankings, die Jahre gekostet haben. Der teuerste und zugleich häufigste Migrationsfehler. Wie wir das absichern, steht in der Website-Relaunch-Checkliste; für Shops gilt sie identisch, nur mit deutlich mehr URLs.
Deshalb unsere nüchterne Empfehlung: Wechseln Sie nicht, weil das andere System moderner wirkt. Wechseln Sie, wenn Ihr aktuelles System eine konkrete, benennbare Anforderung dauerhaft blockiert oder wenn die Betriebskosten in eine Größenordnung gewachsen sind, in der sich der Wechsel rechnet. Alles andere ist ein teurer Tapetenwechsel.
Unsere Empfehlung je Fall
Nehmen Sie Shopify, wenn Sie D2C verkaufen, schnell live gehen wollen, kein Technikteam haben und Ihre Prozesse dem Standard entsprechen. Der Betrieb ist erledigt, das Ökosystem nimmt Ihnen Entwicklungsarbeit ab, und Ihre Energie fließt in Marketing statt in Infrastruktur. Wie wir das umsetzen, lesen Sie unter Shopify.
Nehmen Sie Shopware, wenn B2B ein relevanter Teil Ihres Geschäfts ist, wenn Preis- und Freigabelogik komplex sind, wenn tiefe ERP-Integration nötig ist oder wenn Serverstandort und Datenhoheit intern schwer wiegen. Ebenfalls Shopware: bei Volumen, in dem umsatzabhängige Gebühren spürbar werden.
Und dann gibt es den Fall, in dem beide Antworten falsch sind: Wenn Ihr Sortiment klein ist, die Nachfrage unklar oder Ihr Engpass nicht das System, sondern die Conversion-Rate ist, brauchen Sie keinen Systemwechsel, sondern erst Zahlen. Genau das sagen wir Ihnen im kostenlosen Erstgespräch auch dann, wenn es bedeutet, dass wir kein Projekt verkaufen. Unsere Arbeitsweise und Preise finden Sie unter E-Commerce und auf der Preisübersicht · Shop-Projekte starten bei 10.000 €.
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